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ART FOR LOVE

Es gibt nicht viele Rituale, die von universeller Bedeutung sind...

... die meisten davon ranken sich um die großen Ereignisse im Leben eines Menschen, wie Geburt oder Tod. Auch die Eheschließung gehört dazu: fast alle Kulturen kennen ein großes, feierliches, zumeist auch religiöses Ritual, bei dem zwei Menschen sich zusammentun (oder zusammengetan werden), um eine Familie zu gründen, die Erbfolge zu sichern oder einfach eine auch vor der Gesellschaft legitimierte Zweisamkeit zu erleben.

Es gibt vielerlei Gründe, zu heiraten. Es gibt ebenso viele Gründe, die Institution der Ehe und die vorangestellte Zeremonie zu hinterfragen. Warum zum Beispiel ist es noch immer nicht selbstverständlich, dass auch homosexuelle oder lesbische Paare die rechtliche Anerkennung einer Ehe mit allen Rechten und Pflichten genießen können, die auch den Namen „Ehe“ trägt und nicht „eingetragene Lebenspartnerschaft“ heißt? Heirat ist und bleibt ein Politikum. Lange Zeit galt sie als spießig. Aktuell aber traut man sich wieder, Hochzeitsshows im Fernsehen pushen die Erwartungen an den „schönsten Tag im Leben“ zu neuen Limits, die Scheidungsraten gehen (den medial geschürten Erwartungen zum Trotz) durch die Decke, und die Unfähigkeit der modernen Gesellschaft zur dauerhaften Bindung wird gern, oft und facettenreich diskutiert.
Auch verschiedene Künstler haben sich mit dem Thema
Heirat auseinandergesetzt
...

... so gab es immer wieder inszenierte Performance-Hochzeiten, wie die des Fluxus-Künstlers George Maciunas (1978) oder von Elizabeth Stephens und Annie Sprinkle, die mit ihrem Love Art Laboratory seit 2005 jedes Jahr eine Hochzeitszeremonie abhalten und im Jahr 2009 auf der Biennale in Venedig das Meer heirateten.

Die in Los Angeles lebende amerikanische Künstlerin Bettina Hubby hat ebenfalls ein Kunstprojekt ins Leben gerufen, das den Akt der Hochzeit hinterfragt.
Hubby, deren Nachname rein zufällig so viel bedeutet wie „Partner“ oder „Ehegatte“, besuchte in New York die School of Visual Arts und zog 1999 nach Los Angeles. Am Anfang ihrer künstlerischen Karriere arbeitete sie mit weichen Skulpturen, die sie bald darauf zusammennähte und in ihre Kleidung integrierte. In Los Angeles betreibt sie ein kleines Atelier, in dem sie modifizierte Kleider individuell anfertigt und verkauft, doch sieht sie sich nicht als Modedesignerin, und weigert sich konsequent, in größerem Stil zu produzieren. Spezialisiert hat sie sich auf Performance-Kunst, und sie liebt die Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Künstlern. Sie war selbst kurz verheiratet, ist aber wieder geschieden. Ihre Eltern waren viermal miteinander verheiratet und ein fünftes Mal mit jeweils anderen Partnern; Momentan sind die beide geschieden, gehen aber bereits wieder miteinander aus. Hubbys Schwester war verheiratet, dann geschieden, und ist mittlerweile wieder verheiratet. Was also können dann die Ehe und der Akt der Hochzeit in der heutigen Zeit überhaupt noch an Werten transportieren?

Hubbys sehr persönliches Projekt trägt Passenderweise den Titel Get Hubbied, und die Künstlerin hat in einem einjährigen Auswahlverfahren per schriftlicher Bewerbung und persönlichem Gespräch zahlreiche potentielle Kandidaten interviewt, um schließlich ein Brautpaar zu finden, dessen Hochzeit sie im Jahr 2011 als Projektleitern ausrichten wird. Projektleiterin deswegen, weil Hubby auch hier nicht allein arbeitet: Über zwei Dutzend Künstler hat sie dafür gewinnen können, bei Get Hubbied mitzuwirken, darunter Namen wie Barbara Bestor, Ed Ruscha, Joe Sola, Skip Arnold, Roger Herman und Michele O’Marah. Jeder dieser Filmemacher, Autoren, Musiker oder Designer wird als künstlerischer Kompagnon, als HubbyCo., jeweils einzelne Bestandteile der Hochzeit speziell auf das Brautpaar zugeschnitten interpretieren und gestalten. Angefangen bei den Elementen und Ritualen, die die Zeremonie er- und umgeben, bis hin zu den sozialen, legalen und finanziellen Implikationen, will Hubby so mit ihrem multimedialen, vielschichtigen Projekt die Institution Ehe und den Ritus der Eheschließung ausleuchten. Anstelle eines Solo-Projektes oder einer Gruppenausstellung im Galerieformat, so Hubby, wolle sie es zu einer interaktiveren, freudigen und aufrichtigen Erfahrung für alle Beteiligten machen. Das althergebrachte und kontroverse Ritual wird so zur kreativen Plattform für das Get Hubbied-Kollektiv an Künstlern, Seite an Seite mit dem Brautpaar Liz und Jon, zwei kunstaffinen Normalbürgern aus Los Angeles, die sich schon sehr auf dieses Hochzeits-Happening freuen.

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