VOM PARADIGMENWECHSEL DES GLAUBENSTEMPEL
EIN AKUSTISCHER NACHHALL VON 8 SEKUNDEN?
Sakralbauten, das sind für Buddhisten die Stupas, für das Judentum die Synagogen und Kirchen für die Christen. Bei letzteren ist ein fortschreitender Umbruch zu beobachten. Die Gotteshäuser, Zentren sozialer Begegnung und religiöser Besinnung, werden zunehmend profanisiert. Der Grund sind schwindende Mitgliederzahlen in den christlichen Gemeinden. So wird den einst verehrten und kontemplativ genutzten Glaubenstempeln nun der säkulare Garaus bereitet. Am Ende bleibt den Kirchenbauten als Gnadenbrot die Umnutzung in ein Museum, eine Bibliothek und in Zeiten mangelnder kultureller Etats nun immer öfter auch die Nutzung des ehemaligen Glaubens- und Andachtsraums als privates Wohnhaus.

architektur: zecc architects

Von etwa 24.500 Kirchengebäuden – so die Ergebnisse einer Befragung in allen deutschen Diözesen im Jahre 2006 – wurden 416 in den davorliegenden vierzehn Jahren als Orte der religiösen Zusammenkunft aufgegeben, 98 Kirchen wurden davon säkularisiert und verkauft. Es wird erwartet, dass in den nächsten Jahren etwa weitere 700 Kirchengebäude in den Privatbesitz übergehen. Allein in Essen muss wohl für rund 96 Sakralbauten über eine andere Nutzung nachgedacht werden. Darunter auch jene „Halleluja-garagen“, die in den 50er und 60er Jahren aus dem Boden geschossen sind und sich wahrscheinlich freuen, dass sie auch noch anders verwertet werden können. Ein wahrer Zukunftsmarkt für Architekten also. Bleibt zu hoffen, dass von dem einen oder anderen "Glaubenstempel der Gegenwartsarchitektur" mehr bleibt als der akustische Nachhall von acht oder mehr Sekunden, der sie erfüllt.










