Landläufiger Meinung nach gehört Latex als Bekleidungsmaterial entweder zu bestimmten Berufsgruppen (wie zum Beispiel Latexhandschuhe zu Krankenpflegern oder Ärzten), ist bestenfalls noch als „Präser“ bekannt (wo es schon etwas Schlüpfriges bekommt), oder aber es wird sofort mit der Subkultur der Fetischanhänger, Dominas und Sadomasos in Verbindung gebracht. Wie kommt es also, dass Modedesigner auf einmal diesen „Stoff“ für sich entdecken?
Vor ein paar Jahren noch war Latex nur mit der Öffentlichkeit kompatibel, wenn man – im weiteren Sinne – nicht die Berührung mit der Fetischszene scheute. Man denke hier an Düster-Rockstars wie zum Beispiel Marilyn Manson, dessen Selbstinszenierung in Lack, Latex, hochhackigen Stiefeln und geschnürten Korsagen auf ein Spiel mit Grusel, Provokation, menschlichen Abgründen, Macht und Fetischismus abzielte.
Keine Frage: Sex ist noch immer das beste Mittel zur Provokation (und zum Verkauf). Nur ist es in der heutigen Zeit mit Brüsten, Hintern und lasziv roten Lippen allein nicht mehr getan, und so sind es nun eben die geheimen Obsessionen, die nach und nach ins Rampenlicht gezerrt werden. Wer auffallen will, greift zu extravaganten, leicht anrüchigen oder umstrittenen Materialien, Schnitten oder Accessoires. Lady Gagas Kleid aus Fleisch, das sie dieses Jahr bei den MTV Video Music Awards trug, kommt einem in den Sinn: ethisch, moralisch, ästhetisch und hygienisch kaum zu vertreten. Mit anderen Worten also perfekt für einen Skandal.
Ähnlich verhält es sich mit dem Fetischbereich. Lack zum Beispiel hat die Renaissance im Mainstream schon vor einiger Zeit erlebt. Hosen aus glänzendem PVC, noch vor zwanzig Jahren nur über den Erotikfachhandel des Vertrauens zu beziehen, gibt es seit Jahren ab und an auch bei regulären Bekleidungsketten zu kaufen. Und hohe Lackstiefel mit extremen Absätzen, einst eine Domäne in fester Hand der Dominas, kann man momentan in fast jedem beliebigen Schuhgeschäft erstehen. Das Material Latex ist also im Grunde nur ein weiterer Schritt in diese Richtung, und die Leggings aus Gummi, die es auch bei H&M zu kaufen gibt, finden immer mehr Trägerinnen, die (so scheint es zumindest) nichts mit Fetischbekleidung zu tun haben. Doch wer kann es wirklich wissen? Die weitere Karriere der bereits umstrittenen, ehemaligen CSU-Politikerin Gabriele Pauli wurde durch das Tragen von Latexhandschuhen bei einem Fotoshoot zunächst schwer angefacht – und dann wohl endgültig ausgebremst. Ihre Verteidigung: ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt.
Für Popstars wie Katy Perry, die Latex-Kleidchen in schier unzähligen Variationen besitzt, ist die implizite Provokation des Materials natürlich willkommen. Auch zeigt sie sich nicht im schwarzen Domina-Outfit, sondern im eng anliegenden, himmelblauen Dress mit rosa Eistütchen drauf, was das provokante Spiel gleich wieder negiert. „Ich bin harmlos, aber auch ein wenig verrucht!“ scheint sie damit zu sagen. Die junge amerikanische Designerin, die Perrys Kleider entwirft, heißt Abigail Greydanus und hat mit ihren 23 Jahren schon den gefestigten Ruf einer Expertin für das schwer zu verarbeitende Material. Immer wieder erhält sie Anfragen aus der Mode-, Musik- oder Filmbranche. Inzwischen ist Greydanus bei einer Modefirma unter Vertrag, die sich auf Latex spezialisiert hat. Auf deren Webseite wird allerdings ausschließlich Fetischbekleidung angeboten - so ganz in den Mainstream hat es das Material dann wohl doch noch nicht geschafft ?
Vor ein paar Jahren noch war Latex nur mit der Öffentlichkeit kompatibel, wenn man – im weiteren Sinne – nicht die Berührung mit der Fetischszene scheute. Man denke hier an Düster-Rockstars wie zum Beispiel Marilyn Manson, dessen Selbstinszenierung in Lack, Latex, hochhackigen Stiefeln und geschnürten Korsagen auf ein Spiel mit Grusel, Provokation, menschlichen Abgründen, Macht und Fetischismus abzielte.
Keine Frage: Sex ist noch immer das beste Mittel zur Provokation (und zum Verkauf). Nur ist es in der heutigen Zeit mit Brüsten, Hintern und lasziv roten Lippen allein nicht mehr getan, und so sind es nun eben die geheimen Obsessionen, die nach und nach ins Rampenlicht gezerrt werden. Wer auffallen will, greift zu extravaganten, leicht anrüchigen oder umstrittenen Materialien, Schnitten oder Accessoires. Lady Gagas Kleid aus Fleisch, das sie dieses Jahr bei den MTV Video Music Awards trug, kommt einem in den Sinn: ethisch, moralisch, ästhetisch und hygienisch kaum zu vertreten. Mit anderen Worten also perfekt für einen Skandal.
Ähnlich verhält es sich mit dem Fetischbereich. Lack zum Beispiel hat die Renaissance im Mainstream schon vor einiger Zeit erlebt. Hosen aus glänzendem PVC, noch vor zwanzig Jahren nur über den Erotikfachhandel des Vertrauens zu beziehen, gibt es seit Jahren ab und an auch bei regulären Bekleidungsketten zu kaufen. Und hohe Lackstiefel mit extremen Absätzen, einst eine Domäne in fester Hand der Dominas, kann man momentan in fast jedem beliebigen Schuhgeschäft erstehen. Das Material Latex ist also im Grunde nur ein weiterer Schritt in diese Richtung, und die Leggings aus Gummi, die es auch bei H&M zu kaufen gibt, finden immer mehr Trägerinnen, die (so scheint es zumindest) nichts mit Fetischbekleidung zu tun haben. Doch wer kann es wirklich wissen? Die weitere Karriere der bereits umstrittenen, ehemaligen CSU-Politikerin Gabriele Pauli wurde durch das Tragen von Latexhandschuhen bei einem Fotoshoot zunächst schwer angefacht – und dann wohl endgültig ausgebremst. Ihre Verteidigung: ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt.
Für Popstars wie Katy Perry, die Latex-Kleidchen in schier unzähligen Variationen besitzt, ist die implizite Provokation des Materials natürlich willkommen. Auch zeigt sie sich nicht im schwarzen Domina-Outfit, sondern im eng anliegenden, himmelblauen Dress mit rosa Eistütchen drauf, was das provokante Spiel gleich wieder negiert. „Ich bin harmlos, aber auch ein wenig verrucht!“ scheint sie damit zu sagen. Die junge amerikanische Designerin, die Perrys Kleider entwirft, heißt Abigail Greydanus und hat mit ihren 23 Jahren schon den gefestigten Ruf einer Expertin für das schwer zu verarbeitende Material. Immer wieder erhält sie Anfragen aus der Mode-, Musik- oder Filmbranche. Inzwischen ist Greydanus bei einer Modefirma unter Vertrag, die sich auf Latex spezialisiert hat. Auf deren Webseite wird allerdings ausschließlich Fetischbekleidung angeboten - so ganz in den Mainstream hat es das Material dann wohl doch noch nicht geschafft ?










