
... Immer öfter bekommen wir sie auf den Laufstegen dieser Welt zu sehen: Dunkle Kutten, blasses Makeup, hoch toupierte Haare und schwarz lackierte Fingernägel: den Goth Style oder auch bekannt als Gothics, früher gern ein bisschen abschätzig „Gruftis“ genannt.
Ein wenig gruselig mag es für Normalbürger schon sein, wenn Horden schwarz gekleideter junger Menschen durch die Innenstadt ziehen. Zumeist hat man sich jedoch an das extravagante, düstere Erscheinungsbild der Gruftis gewöhnt, sogar soweit, dass ihre Mode mittlerweile auch vom Mainstream imitiert wird. Dies zeigte sich nicht zuletzt auf etlichen Modeschauen in Paris oder Mailand der letzten Jahre, wo blass geschminkte Models mit toupierten Haaren Träume aus schwarzem Tüll, geschnürte Korsagen und bodenlange Mäntel mit zahlreichen Kreuzen behängt präsentierten.
Ein wenig gruselig mag es für Normalbürger schon sein, wenn Horden schwarz gekleideter junger Menschen durch die Innenstadt ziehen. Zumeist hat man sich jedoch an das extravagante, düstere Erscheinungsbild der Gruftis gewöhnt, sogar soweit, dass ihre Mode mittlerweile auch vom Mainstream imitiert wird. Dies zeigte sich nicht zuletzt auf etlichen Modeschauen in Paris oder Mailand der letzten Jahre, wo blass geschminkte Models mit toupierten Haaren Träume aus schwarzem Tüll, geschnürte Korsagen und bodenlange Mäntel mit zahlreichen Kreuzen behängt präsentierten.
VIONA ART, BELGIEN

Gothic als Fashion-Statement oder Trend ist keine Seltenheit: auch die Pop-Göttin Madonna inszenierte sich im Video zu „Frozen“ 1998 höchst erfolgreich als düstere Reifrockträgerin. Obgleich sich die „Szene“ gegen solche Kommerzialisierung oft gewehrt hatte, wurde der Song mehr als bereitwillig aufgenommen und avancierte zum Hit, der die Tanzflächen füllte. Viele sahen durch Madonnas Vorbild zudem eine neue Ära der Romantik eingeläutet: ausladende Kleider und aufwändige, Barock anmutende Frisuren erlebten in der Szene ihr Comeback. Ob Madonna aber über diesen Hit hinaus in den großen Kanon der Gothic-Musik aufgenommen wurde, dürfte fraglich sein.
Bis(s) zum Mainstream – oder doch nicht?
Umgekehrt dürfte es sich genauso verhalten. Zwar ist nicht zuletzt aufgrund solcher Ausflüge des Mainstreams in die Subkultur die gesellschaftliche Toleranz gegenüber der Bewegung gewachsen. Auch legte in jüngster Zeit Dank des aktuellen 80er-Jahre-Revivals und Büchern wie der Twilight-Saga der Autorin Stephenie Meyer die Düsterszene bei Teenagern erneut an Beliebtheit zu. Ein Grund dafür, warum die Bewegung dann aber doch nicht ganz in den Mainstream integriert wird, ist vielleicht, dass die zumeist friedlichen, apolitischen Gothics nach wie vor von allerlei Vorurteilen verfolgt werden.
Satanisten, Friedhofschänder und Okkultisten nennt man sie und denkt dabei an schwarze Katzen, Pentagramme und satanistische Rituale. Der Griff in den großen Topf an Vorurteilen fällt immer noch leicht, überhaupt ist es nicht einfach, über Gothic-Kultur zu schreiben, ohne in Stereotypen zu verfallen. Der Umgang der Szene mit bedeutungskräftigen Symbolen wie dem Pentagramm oder dem Petruskreuz, mit Kult, Riten, oder Mythen, sowie das oft extreme Äußere machen es schwer, sich von vorgegebener Vorstellung oder in den Medien gängigen Bildern zu lösen. Was ist das denn nun überhaupt, Gothic?
Bis(s) zum Mainstream – oder doch nicht?
Umgekehrt dürfte es sich genauso verhalten. Zwar ist nicht zuletzt aufgrund solcher Ausflüge des Mainstreams in die Subkultur die gesellschaftliche Toleranz gegenüber der Bewegung gewachsen. Auch legte in jüngster Zeit Dank des aktuellen 80er-Jahre-Revivals und Büchern wie der Twilight-Saga der Autorin Stephenie Meyer die Düsterszene bei Teenagern erneut an Beliebtheit zu. Ein Grund dafür, warum die Bewegung dann aber doch nicht ganz in den Mainstream integriert wird, ist vielleicht, dass die zumeist friedlichen, apolitischen Gothics nach wie vor von allerlei Vorurteilen verfolgt werden.
Satanisten, Friedhofschänder und Okkultisten nennt man sie und denkt dabei an schwarze Katzen, Pentagramme und satanistische Rituale. Der Griff in den großen Topf an Vorurteilen fällt immer noch leicht, überhaupt ist es nicht einfach, über Gothic-Kultur zu schreiben, ohne in Stereotypen zu verfallen. Der Umgang der Szene mit bedeutungskräftigen Symbolen wie dem Pentagramm oder dem Petruskreuz, mit Kult, Riten, oder Mythen, sowie das oft extreme Äußere machen es schwer, sich von vorgegebener Vorstellung oder in den Medien gängigen Bildern zu lösen. Was ist das denn nun überhaupt, Gothic?
HEATHEN EARTH, NEUSEELAND

Photography/Image Manipulation Steve Annear @ Mace Images
Hair Wayne Richardson @ Ktizo Hair and Spa
Design/Styling Janine Carmichael @ Heathen Earth
Hair Wayne Richardson @ Ktizo Hair and Spa
Design/Styling Janine Carmichael @ Heathen Earth
Vieles vermischt sich. Die Zeiten, in der die Gothics zum Beispiel nur schwarz trugen, sind definitiv vorbei. Und wer kann mit Sicherheit sagen, ob die vielen Totenköpfe, die in den letzten Jahren auch die Kleidung der großen Bekleidungsketten wie H&M, C&A oder Orsay erobert haben, nun eher der Punk- oder doch der Gruftszene zuzuordnen sind? Auch die japanische Visual Kei-Kultur, bei der sich Bands in fantasievollen, oft sehr farbenprächtigen Kostümen inszenieren, oder das ebenfalls japanischen Cos Play, bei dem die Teilnehmer sich in zumeist selbst geschneiderte Kostüme hüllen, um Manga-, Anime- oder Filmcharaktere zu verkörpern, haben nur begrenzt mit der Gothic-Szene zu tun, werden aber gern mit ihr in einen Topf geworfen.
Besonders wichtig war und ist in der Gothic-Kultur neben der Mode auch die Musik. Bands der späten 70er und frühen 80er wie Bauhaus, The Cure, Siouxsie and the Banshees oder Sisters of Mercy haben die Szene nachhaltig und teils über Jahre hinweg geprägt, auch wenn sie sich selbst vielleicht gar nicht als Gothic Bands bezeichnen würden. Gothic scheint also nicht nur in den Augen des Normalbürgers viel mit Kostümierung, Inszenierung und Extravaganz zu tun zu haben.
Kleidung, Frisur, und Lifestyle der gerade angesagten Bands dienen dabei oft als Vorbilder für das eigene Styling. So bot und bietet die Szene über die Jahre verschiedenste Ansätze zur Selbst-Inszenierung, die vom eher industriell-düsteren (Bauhaus) über das schräge, punkige (Siouxsie Sioux) bis zum mittelalterlich-romantisch-verspielten (Monica Richards von Faith and the Muse), vom Fetisch (Blutengel) über theatralische Inszenierungen (Das Ich, Fields of the Nephilim) bis hin zum Cyberpunk (Skinny Puppy) oder Neo-Folk (In my Rosary) reichen.
Toleranz in Pink
Unabhängig vom Stil war lange Zeit Schwarz fast durchgehend die einzige Farbe, die getragen wurde. Doch die Szene ist offen für Vermischung und Veränderung. Wie sonst dürfte sich die Gegenwart von neon-pink gekleideten Gestalten auf dem alljährlich in Leipzig stattfindenden Wave und Gotik-Treffen, kurz WGT genannt, erklären? Eines der bemerkenswertesten Dinge an der Gothic-Szene ist nämlich, dass sie trotz eines Mangels an ihr entgegengebrachter Toleranz selbst zumeist sehr tolerant ist.
Letztendlich dürfte es also das eigene Unwohlsein in Gegenwart von Menschen sein, die sich durch ihre Kleidung, ihr Aussehen und ihren Habitus als offensichtlich „anders“ inszenieren, das zur Verwendung von Vorurteilen verleitet, und nicht ihr tatsächliches Verhalten. Vom Äußeren sollte man jedenfalls nicht ausgehen, und wie so oft gilt auch hier: harte Schale, weicher Kern – eine weitere Binsenweisheit.
Besonders wichtig war und ist in der Gothic-Kultur neben der Mode auch die Musik. Bands der späten 70er und frühen 80er wie Bauhaus, The Cure, Siouxsie and the Banshees oder Sisters of Mercy haben die Szene nachhaltig und teils über Jahre hinweg geprägt, auch wenn sie sich selbst vielleicht gar nicht als Gothic Bands bezeichnen würden. Gothic scheint also nicht nur in den Augen des Normalbürgers viel mit Kostümierung, Inszenierung und Extravaganz zu tun zu haben.
Kleidung, Frisur, und Lifestyle der gerade angesagten Bands dienen dabei oft als Vorbilder für das eigene Styling. So bot und bietet die Szene über die Jahre verschiedenste Ansätze zur Selbst-Inszenierung, die vom eher industriell-düsteren (Bauhaus) über das schräge, punkige (Siouxsie Sioux) bis zum mittelalterlich-romantisch-verspielten (Monica Richards von Faith and the Muse), vom Fetisch (Blutengel) über theatralische Inszenierungen (Das Ich, Fields of the Nephilim) bis hin zum Cyberpunk (Skinny Puppy) oder Neo-Folk (In my Rosary) reichen.
Toleranz in Pink
Unabhängig vom Stil war lange Zeit Schwarz fast durchgehend die einzige Farbe, die getragen wurde. Doch die Szene ist offen für Vermischung und Veränderung. Wie sonst dürfte sich die Gegenwart von neon-pink gekleideten Gestalten auf dem alljährlich in Leipzig stattfindenden Wave und Gotik-Treffen, kurz WGT genannt, erklären? Eines der bemerkenswertesten Dinge an der Gothic-Szene ist nämlich, dass sie trotz eines Mangels an ihr entgegengebrachter Toleranz selbst zumeist sehr tolerant ist.
Letztendlich dürfte es also das eigene Unwohlsein in Gegenwart von Menschen sein, die sich durch ihre Kleidung, ihr Aussehen und ihren Habitus als offensichtlich „anders“ inszenieren, das zur Verwendung von Vorurteilen verleitet, und nicht ihr tatsächliches Verhalten. Vom Äußeren sollte man jedenfalls nicht ausgehen, und wie so oft gilt auch hier: harte Schale, weicher Kern – eine weitere Binsenweisheit.


















